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BIS INS VERGESSEN RAGT
DIE ERINNERUNG

Warum ist es so wichtig zur Ruhe zu kommen
und in sich zurück zu sinken wie in einen
Raum. Der Raum wurde ihr bewußt wie eine
Hülle um ihr Ich, und je näher sie ihn besah
und all die Dinge, die sich auf den Wänden
befanden, wurde ihr umso mehr bewußt, daß
sich die Welt dahinter befand, als wäre der
Raum nur Kulisse für Theater, in dem sie
auftreten mußte.

Um die Malerei zu bestimmen
Muß der Ort bestimmt werden
In dem sie stattfindet.

Kein Ort ist eine Grenze
Kein Ort nur dort.

Was ist möglich zu
erkennen
ohne fliehen
sich hingeben
kein Verlass

Als Letztes sich
selbst erkennen
und nach dem
Restlichen das
was bleibt

Denn der Raum besteht aus
Wandlung und
nur im
Raum ist Ort

Gewandelt siehst du
und vergessen
verloren geglaubt
von Neuem öffnet sich
der Blick

IST DER ORT ERKANNT ZIEHT
BEWEGUNG EIN

Die Zeit hatte plötzlich ein großes Rad
geschlagen. Wie es beschreiben? Sich fort
bewegen, sich überhaupt bewegen, sich mit
drehen in der Mitte-
Sich überhaupt bewegen?
Was bewegte sich denn schon hier außer den
weißen Wolken, und ging hinter die Berge,
verschwand...

Keiner konnte so einfach durchs Tal verschwinden
fast keiner.
Wenn sich auch plötzlich etwas bewegte, so betraf
es ihren Körper. Das Eigene, seitdem sie denken
konnte – mitgetragen.
Durchs Tal – nach weiter hinten...

Ohne Bewegung keine
Farbe.

Das was als
das Werdende
in der Malerei
erkannt werden kann.

Ist der Fluß
der Farbe
geworden
dann ist er
dargestellt.

Farbe tropft fliesst steht.
Geht leider nicht.
Der Zug rollt steht.
Landschaft hinter dem Fenster zieht.

In der Kurve neigt sich der Zug gegen eine
Böschung. Den Raum sehen. Sie sieht ihr Gesicht
im Glas. Der gefrorene See dahinten, weit über
die Berge hinüber.
Endlich den Raum sehen – die Stadt. Der Zug fliegt
jetzt gerade aus in der Ebene. Die Berge – weit
Hinten. Der See. Sie sucht ihr Gesicht – es ist
heller geworden – kein Spiegelbild.
Die Ebene, Strauch, Wasser, Holz, ein winkendes
Kind.

DIE BERÜHRUNG

von jeder Berührung
gestaltet
so wollen wir es
und gleichzeitig nicht

und Farbe ist
Bewegung und Berührung.

Die Stunden, die ich vor dem einem – Bild sitze,
was bewirkt das?
Ich denke der Farbe nach, und ihrer Auswirkung
und Ausbreitung.
Ich lasse mich vollkommen gehen vor dem einem
Bild.
Ich sehe mich? Ich sehe das Bild? Oder sehe ich
andere Bilder? Wo? In mir?
Oder sehe ich die Auswirkung des von mir gemalten?

Es gibt so wunderbare Materialien. Glas
zum Beispiel; es ist vollkommen geruchslos
und färbt nicht ab. Bei einer harten
Berührung derformiert es nicht, sondern
zerspringt einfach in tausend Stücke. Diese
Stücke wiederum verbinden sich nicht, sondern
sind einfach wegzukehren und aus der Welt
zu schaffen.

Aber die Farbe färbt.
Die Farbe deckt eine andere Farbe zu.
Das heisst, sie nimmt Farbe weg aus unserem
Gesichtsfeld, um gleich wieder neue hinzugeben.

Ich trete von einem Raum in den Anderen.
Giebt es einen Neuen Raum? War ich schon da
gewesen? Das ist die Frage, die ich mir stellen
muss, die wir uns stellen müssen. Sind wir schon
dagewesen oder verschließen wir einfach die Augen?

Verschließen wir einfach die Augen und erfinden
etwas Neues? So ist das Neue immer etwas anderes
als das Sichtbare. So ist das innere Gesehene
immer einen Schritt voraus.

So verbringe ich die Zeit vor meinen Bildern
und trinke das Wasser aus der Glasflasche. So
lange bin ich schon dagesessen. So lange schon
dagewesen. Das Glas hat sich geleert. Neues ist
wieder dazugekommen. Wasser und Farben.
Ich sehe: Es ist wieder etwas dazugekommen.

Wien, 2003

J.H.

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